Das ibw – Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft ist seit fünf Jahrzehnten die zentrale Einrichtung in Österreich zur Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der beruflichen Bildung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der dualen Berufsausbildung und der Unterstützung von Lehrbetrieben, Ausbilder:innen und Lehrlingen.

Mit der Plattform lap.at stellt das ibw hochwertige Lernunterlagen — von Skripten bis zu Musterprüfungen — für über 50 Lehrberufe bereit.

Die Herausforderung: Die mündliche LAP lässt sich nicht aus Büchern lernen

Auf die schriftliche Lehrabschlussprüfung können sich Lehrlinge mit Skripten und Übungsaufgaben gezielt vorbereiten. Das mündliche Prüfungsgespräch ist eine andere Sache. Es verlangt, unter Druck strukturiert zu antworten, Fachbegriffe situationsgerecht einzusetzen und den eigenen Lehrbetrieb als Kontext einzubringen — Fähigkeiten, die sich nur durch echte Übungssituationen entwickeln lassen. Genau hier entstand die Idee, einen KI-gestützten Prüfungssimulator einzusetzen.

Zwei Varianten, ein Ziel: realistische Prüfungssimulation

In der Pilotphase entwickelte das ibw gemeinsam mit Trainexus sechs Szenarien für kaufmännisch administrative Lehrberufe gemäß der österreichischen Prüfungsordnung. Diese teilen sich auf in Szenarien:

Mit Beleg: Der/die Lernende erhält vorab eine reale Eingangsrechnung oder Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung und wird vom KI-Prüfer direkt darauf angesprochen. Das Gespräch dreht sich um die Belegkontrolle (sachlich, formal, rechnerisch), gesetzliche Pflichtangaben und die Konsequenzen fehlender Angaben.

Ohne Beleg: Das Gespräch beginnt mit dem Betriebskontext des Lernenden — Branche, Unternehmensgröße, eigene Aufgaben — und entfaltet sich dann entlang prüfungsrelevanter kaufmännischer Themen: Kundengewinnung, Umsatzsteigerung, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge. Dieses Format schult besonders den Transfer von Fachwissen auf die eigene Berufspraxis.

Die Szenarien wurden von Lehrlingen aus unterschiedlichsten Branchen und Betriebsgrößen genutzt. Der KI-Prüfer passt seine Fragen laufend an die Antworten der Lernenden an und hakt gezielt nach, wenn Begründungen unvollständig bleiben.

Was der Simulator im Gespräch leistet

Ein typischer Dialog im Belegszenario zeigt, wie weit der Simulator über einfaches Frage-Antwort-Spiel hinausgeht. Nennt ein Lehrling bei den Pflichtangaben einer Rechnung über 400 Euro versehentlich falsche Angaben statt der UID-Nummer des leistenden Unternehmens, korrigiert der KI-Prüfer sachlich und stellt sofort die nächste vertiefende Frage: „Ab welchem Betrag ist die UID des Käufers verpflichtend — und warum?" Das zwingt zur aktiven Auseinandersetzung, nicht zur passiven Wissenswiedergabe.

Individuelles Feedback nach jedem Gespräch

Am Ende jedes Gesprächs generiert Trainexus ein ausführliches, gesprächsbasiertes Feedback. Es ist in fünf Bereiche gegliedert:

Das Feedback adressiert nicht nur, was falsch war, sondern erklärt auch, warum fehlende Angaben in der LAP Punkte kosten können.

Das Feedback der Lehrlinge

„Das Feedback der Lehrlinge zeigt: Der Simulator überzeugt durch seine praxisnahen Übungen. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, das mündliche Prüfungsgespräch mit prüfungsrelevanten Themen selbstständig zu üben. Auch das individuelle, auf dem Gesprächsverlauf basierende Feedback wurde als sehr hilfreich empfunden."

ibw – Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft